SoLawi Vierlande e. V.
Zwei Briefe, 08. Dezember 2025
Liebe SoLawistas,
 
erst mal die ganz nackte Information: Ich verlasse die SoLawi als angestellte Gärtnerin und begrüße die – auch in SoLawis und generell – erfahrene Gärtnerin und Nachfolgerin auf meiner Stelle, Jule. Mit vielen von euch habe ich schon gesprochen und ihr wisst über meinen Prozess Bescheid. Für euch anderen, an denen ich nicht so nah dran bin: Ich gehe mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge. Und im Guten. Für mich ist es an der Zeit, die Rolle der Gründerin/Gärtnerin loszulassen. Ich werde der SoLawi aber erhalten bleiben, als Mitglied sowieso, ist ja klar. Und auch als Ehrenamtliche, ich habe total Lust gemeinsam mit meinen MitstreiterInnen den Bereich Bildung auszubauen.

Warum das weinende Auge?

Weil die SoLawi und all die Menschen darin, mir über diese 8 Jahre so viel gegeben haben.
Weil es so wahnsinnig schön ist, gemeinsam mit Menschen an einem Strang zu ziehen, für dieselben Werte einzutreten.
Weil es einen solchen Sog auf mich ausübt, wenn ich das Gefühl habe, meine Arbeit ergibt für mich selbst und für andere einen Sinn.
Weil das was ich hineinsteckte, fast immer spürbar Wirkung zeigte.
Weil ich die Arbeit und die Kollegen vermissen werde.

Warum das lachende Auge?

Weil ich mich auch auf die neue sinnvolle Aufgabe freue. Und weil ich das Gefühl hab, das GärtnerInnen-Team wird im nächsten Jahr mit super KollegInnen gut aufgestellt sein.

Ich möchte euch allen ganz herzlich danken. Natürlich meinen Gärtner-KollegInnen, den ehrenamtlichen KollegInnen, und all euch anderen Mitgliedern, ehemaligen und aktuellen. Dankbarkeit ist das Gefühl, das mich tatsächlich durch all die Jahre getragen hat. Es trug mich vom ersten Treffen an, bei dem Ole und ich unsere Idee präsentierten, und 40 Menschen direkt sagten: Jo, lasst uns loslegen. Und in dem Moment, als wir beide – im ersten Jahr der SoLawi selbstständig – beim ersten Workshop den Wunsch formulierten, angestellt zu werden – ihr daraufhin einen Verein gründetet, und uns eingestellt habt.
Ich verspüre Dankbarkeit bei jeder AG- und Beirats-Sitzung bei der ich zugegen war und bin und wahrnehme, wie ernst ihr alle die Belange unserer gemeinsamen Organisation nehmt, wie wichtig es euch ist, dass sie gut läuft, dass sie existiert.
Auch bei jedem Mal, wenn eine oder einer von euch gesehen hat, was wir Gärtnerinnen gut gebrauchen könnten, was uns die Arbeit erleichtern würde, was aber gerade nicht im Budget ist, und dann der eine oder die andere schon mal gesagt hat: Dann spende ich dem Verein das eben.
Und ich bin dankbar für die Arbeit derjenigen, die seit Jahren verlässlich im Hintergrund die Struktur am laufen halten.

Nun bin ich nicht nur ganz gerührt und dankbar, sondern noch was schönes: Hoffnungsvoll. Was ihr nämlich jetzt gerade, nach dem Workshop, in diesem Jahr alles neu anstoßt, wer alles für mich neu sichtbar engagiert ist, was ihr auf die Schiene bringt, wo ihr dran bleibt – das wird anscheinend echt gerade die SoLawi, die ich mir persönlich immer gewünscht habe. Eine SoLawi, die ihr euch zu eigen macht, in der ihr eure eigenen Ideen umsetzen könnt, MitstreiterInnen für euer Engagement findet, eine SoLawi, die ihr um Bereiche erweitert, die ihr selbst wichtig findet.

Also, man sieht sich!

Inga

p.S.: Wenn ich dich oder dich, liebe WegbegleiterIn, nicht – mehr – auf dem Schirm hatte und nicht persönlich angesprochen habe, und du würdest gern etwas mehr hören – meld dich gern bei mir

Liebe SoLawistas,

mit diesem Schreiben knüpfen wir an Ingas Nachricht an – und merken dabei selbst:

Das ist kein Text, der sich „neutral“ schreiben lässt. Da hängt für viele von uns richtig viel 🖤 ❤️ dran.

Inga hört als angestellte Gärtnerin auf – aber sie hört nicht auf, SoLawi zu machen.
Sie bleibt Mitglied, sie bleibt sichtbar, sie bleibt laut (auf ihre Weise) – und sie baut mit uns zusammen den Bereich Bildung aus. Es ist kein Abgang, sondern ein bewusster Schritt zur Seite, damit Verantwortung sich neu verteilen kann.

Danke, Inga – für acht Jahre 🖤 ❤️, klare Haltung 💎✊, Aufbauarbeit ⚒️ und natürlich ganz viel 🥕 🥔 🍅 🥦 💚

Ohne dich gäbe es diese SoLawi nicht. Punkt.
Du hast mit uns losgelegt, als alles noch Idee war: kein „Land in Sicht”,sondern nur der Entschluss, es anders zu machen, und ein Paar Leute, die dich und Ole dann einfach angestellt haben.

Wir danken dir für:

  • deinen Mut, ganz am Anfang zu sagen: „Wir fangen einfach an".
  • deine Ausdauer, wenn Wetter, Finanzen oder Zwischenmenschliches uns an Grenzen – und manchmal drüber hinaus – gebracht haben.
  • deine klare Haltung dafür, dass wir hier bewusst Dinge anders machen – auch wenn es unbequem ist.
  • deine Fähigkeit, Verantwortung zu tragen – immer einzuspringen, wenn irgendwo jemand fehlt, und jetzt genauso bewusst Verantwortung abzugeben: der Entschluss war – wie wir wissen – viel schwerer.
  • Deine Weitsicht – uns eine Platform zu ermöglichen, die so viel Wärme und Resonanz ermöglicht!

Viele von uns haben auf dem Acker, im Beirat, in AGs oder einfach im Gespräch erlebt, wie sehr dir diese SoLawi am Herzen liegt. Dass du jetzt sagst: „Ich lasse diese Rolle los“, tut weh – und gebührt zugleich Respekt. Das ist gelebte Solidarität und wieder ein Beispiel dafür, was für ein Vorbild du für viele von uns bist.

Wir sind traurig, dich in dieser Rolle loszulassen – und gleichzeitig stolz und froh, dass du einen Weg findest, der für dich tragfähig bleibt, und uns als Gemeinschaft langfristig stabiler macht.

Wichtig: Inga bleibt als Person, auf deren Ansichten wir weiterhin bauen können und die ihre Meinung direkt vertritt.

Wir freuen uns darauf, dich, Inga, weiterhin in unserer Mitte zu haben – weniger auf dem Traktor, dafür auf Führungen und Schulungen, in Diskussionen und Formaten, die Menschen politisch und praktisch in Bewegung bringen. Da hast du vor vielen von uns einen Erfahrungsvorsprung.

Willkommen, Jule 👋 – wir freuen uns auf dich 😸!

Genauso wichtig wie der Übergang ist, wer jetzt übernimmt:
Wir heißen Jule neben Jakob, Steffen und Finn (bis Ende Januar) als neue Gärtnerin herzlich willkommen.

Jule bringt Erfahrung aus anderen SoLawis und viel gärtnerisches Know-how mit. Sie kennt den Alltag zwischen Unkraut, Wetterextremen, zu knappen Budgets und der Frage: Wie bleibt das alles trotzdem solidarisch und menschlich?

Wir freuen uns auf dich, Jule, weil du,die Realität von SoLawi-Arbeit kennst und Lust hast, mit einem engagierten Team in einer aktiven Mitgliedschaft zu arbeiten, so dass unsere Landwirtschaft ein Ort ist und bleibt der nicht auf Ausbeutung basiert – weder von Böden noch von Menschen.

Du kommst in ein System, das viel von Ingas Handschrift trägt – und du wirst deinen eigenen Stil einbringen. Wir wollen dir den Rücken stärken, zuhören, mit anpacken und Konflikte nicht scheuen, wenn sie nötig sind.

Schön, dass du da bist!

Und weil Inga dieser Übergang sehr am Herzen liegt, wird sie Jule noch bis Ende Februar einarbeiten und begleiten, damit Wissen, Abläufe und Verantwortung gut übergehen und der Start auf dem Acker möglichst rund läuft.

Stimmen aus der Mitgliedschaft

Ein paar Reaktionen aus unserer Mitgliedschaft möchten wir mit euch teilen:

„Ich freue mich, dass Inga sich für sich und weiterhin für uns entschieden hat. Neben ihrem Herzensprojekt „unsere Solawi” schlummert noch so viel Wissen und Können in ihr, das sie in die Welt bringen wird, und wir können als Gemeinschaft stark voran gehen und uns zeigen – mit allen Talenten, die wir in uns tragen!” – Andrea (AG Bildung)
„Inga ist für mich ein Vorbild. Den Mut die eigene Komfort-Zone zu verlassen, um etwas aufzubauen, was wirklich einen Unterschied für viele Leute macht, und dies dann auch noch aus puren ideellen Gründen zu tun, ohne „vom großen Geld” zu träumen. Das ist wirklich etwas, was in unserer Zeit allzu oft fehlt.” – Eike
„Inga hat geschafft, zusammen mit vielen Wegbegleiter*innen, einen landwirtschaftlichen Betrieb neu zu gründen und feste Netzwerke mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben, den Bewohner*innen der Vier- und Marschlande und der lokalen Politik aufzubauen. Vor dieser Leistung habe ich sehr viel Respekt und ich freue mich, zusammen mit den anderen Gärnter*innen und Mitgliedern von hier an weiterzumachen.” – Steffen
„In den Beiratssitzungen werde ich Inga sehr vermissen. Auch in den vielen schwierigen Situationen verlor sie nie die Hoffnung und den Blick auf das „große Ganze”. Ich kenne keinen Menschen, der das Prinzip der Solidarität lebt wie sie. Dabei kann Inga ihre Meinung klar kommunizieren, ohne andere ihre Überzeugung überstülpen oder sich in den Mittelpunkt stellen zu wollen.” – Christine
„Danke, Inga! Willkommen, Jule! Ich freue mich für und auf Euch, in Euren neuen Rollen – Das wird spannend und schön!” – Reinhard
...

Was dieser Moment für uns alle bedeutet

Dieser Wechsel ist mehr als ein Name im Arbeitsvertrag. Er erinnert uns daran:

  • Eine SoLawi lebt davon, dass viele Menschen Verantwortung übernehmen.
  • Niemand sollte unendlich viel stemmen müssen, nur weil es „irgendwie geht“.

Lasst uns diesen Moment nutzen, um noch bewusster miteinander zu klären:

  • Wo wollen wir hin – politisch, ökologisch, sozial?
  • Welche Aufgaben können wir als Mitglieder stärker mittragen? Welche Aufgaben sind so kritisch, dass wir sie entlohnen müssen?
  • Wie bleiben wir ein Ort, an dem Menschen gerne Verantwortung übernehmen?

Mit Inga in neuer Rolle, mit Jule im Team und mit euch allen als solidarische Mitgliedschaft haben wir gute Voraussetzungen dafür. ✊ 🤞

Solidarische und dankbare Grüße
Euer Beirat 🌱

 

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